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Arbeit und Beschäftigung
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"Zurück in die Zukunft"

 
   

 

Arbeit und Beschäftigung
Die Lebenslage von Menschen mit HIV und AIDS hat sich in den letzten Jahren verändert. Durch neue Behandlungsmöglichkeiten hat sich die Lebensqualität deutlich verbessert. Zukunftsplanung - auch im beruflichen Bereich - gewinnt für Menschen mit HIV und AIDS wieder an Bedeutung.

Bedarfserhebungen einzelner AIDS-Hilfen zeigen, dass sich die Mehrzahl der befragten Menschen mit HIV und AIDS eine dauerhafte oder gelegentliche Berufstätigkeit wünscht. Die meisten Berufstätigen haben ein starkes Interesse im Arbeitsleben zu bleiben. Etwa die Hälfte der Nichtberufstätigen hat den Wunsch, sich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Für sie ist es wichtig, dass ihr wechselnder Gesundheitszustand am Arbeitsplatz berücksichtigt wird, dass sie nicht diskriminiert werden und dass ihr Einkommen sich nicht verringert sondern erhöht. Etwa die Hälfte der Befragten wünscht eine Teilzeitbeschäftigung. Viele fragen nach einer geschützten Erwerbstätigkeit in einer Beschäftigungsgesellschaft und nach Angeboten zur beruflichen Qualifizierung.

Die AIDS-Hilfe Bielefeld berät Menschen mit HIV und AIDS zu allen Fragen, die mit Arbeit und Beschäftigung zu tun haben. Sie unterstützt zum Beispiel Betroffene bei der Entwicklung realistischer beruflicher Perspektiven und beim Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Sie berät aber auch zu Möglichkeiten des Ausstiegs aus dem Berufsleben, zur Teilzeitarbeit und zu Zuverdienstmöglichkeiten.
Ansprechpartner: Peter Struck

 
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Tierpension eröffnet im November


Sozialprojekt "Tierpension" Beschäftigung und Qualifizierung
für Menschen mit und ohne HIV

Am 02. Januar 2009 ist das Hundehaus der Tierpension in der Spenger Straße 113 in Bielefeld-Jöllenbeck in Betrieb genommen worden. Hier werden Hunde rund um die Uhr artgerecht versorgt und betreut, wenn ihre BesitzerInnen im Urlaub oder im Krankenhaus sind.
Das Nachbarhaus in der Spenger Straße 109 wird zurzeit für die Unterbringung von Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und Kleintiere aller Art umgebaut und voraussichtlich Ende 2009 fertig gestellt.


Warum betreibt die AIDS-Hilfe eine Tierpension?
Im Sozialprojekt "Tierpension" der AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. werden langzeitarbeitlose Menschen mit HIV und ohne HIV im Bereich Tierpflege und Bürokommunikation beruflich qualifiziert und beschäftigt, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Seit Mitte der 90er Jahre hat sich die Situation geändert. Die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten bewirken bei vielen eine längerfristige Verbesserung des Gesundheitszustandes.
Die berufliche Perspektive hat häufig wieder einen hohen Stellenwert.Bedarfserhebungen einzelner AIDS-Hilfen zeigen, dass sich die Mehrzahl der befragten Menschen mit HIV und AIDS eine dauerhafte oder gelegentliche Berufstätigkeit wünscht. Etwa die Hälfte der Nichtberufstätigen hat den Wunsch, sich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Für sie ist es wichtig, dass ihr wechselnder Gesundheitszustand am Arbeitsplatz berücksichtigt wird, dass sie nicht diskriminiert werden und dass ihr Einkommen sich nicht verringert sondern erhöht.
Um eine automatische Offenbarung der MitarbeiterInnen als Menschen mit HIV und AIDS zu vermeiden, arbeiten im Sozialprojekt Menschen mit und ohne HIV zusammen.

Wie werden die MitarbeiterInnen ausgebildet und angeleitet?
In der Grundausbildung werden die TeilnehmerInnen des Projekts qualifiziert, um anschließend als angeleitete MitarbeiterInnen in der Tierpflege entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihres Leistungsvermögens eingesetzt zu werden.
Inhalte der Qualifizierung sind beispielsweise: Grundlagen der artgerechten Tierhaltung und Tierpflege, Service und Kundenfreundlichkeit, EDV - Grundlagen, soziales Kompetenztraining und Umgang mit Diskriminierung im Beruf.

Wer qualifiziert, berät und leitet die MitarbeiterInnen an?
Andreas Hahn ist ausgebildeter Tierpfleger. Er ist für die Ausbildung und Anleitung der MitarbeiterInnen sowie die tierpflegerische Leitung der Tierpension zuständig.
Dawina Durasamy ist Diplom-Pädagogin. Sie berät und unterstützt die MitarbeiterInnen bei psychosozialen Schwierigkeiten.
Die Projektleitung Henny Wendt ist Diplom-Betriebswirtin. Sie ist für Qualitätsscherung, Finanzen, Personal und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Wer fördert das Projekt finanziell?
Das Sozialprojekt "Tierpension" der AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. wird gefördert von Arbeit Plus in Bielefeld, der Regionalen Personalentwicklungsgesellschaft REGE mbH und der Deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch e.V.
Darüber hinaus danken wir der Deutschen AIDS-Stiftung, dem Beschäftigungsfont des Kirchenkreises Bielefeld und vielen SpenderInnen für die finanzielle Unterstützung des Sozialprojekts.

Weitere Infos unter: www.tierpension-in-bielefeld.de

 
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Ergebnisse und Erfahrungen: "Zurück in die Zukunft" - Qualifizierung und Beschäftigung für Menschen mit HIV und AIDS

Die AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. griff Ende 1997 die aktuelle Diskussion über neue Perspektiven auf und entwickelte das Projekt "Zurück in die Zukunft - Qualifizierung und Beschäftigung für Menschen mit HIV und AIDS". Die Förderung durch die Europäische Union und das Land NRW ermöglichte die Umsetzung unserer Projektidee in Kooperation mit der VHS-Agentur für Bildung und Qualifizierung. Das Ziel der Maßnahme lautete, ein flexibles Modell beruflicher Qualifizierung und psychosozialer Beratung zu erproben, welches gesundheitlicher Einschränkungen, unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen und gesellschaftliche Stigmatisierung angemessen berücksichtigt.

Das Modellprojekt konnte zum 31. 12. 2000 nach 3-jähriger Laufzeit erfolgreich abgeschlossen werden.

Die TeilnehmerInnen:
Insgesamt nahmen 16 Personen an der Massnahme teil. 10 TeilnehmerInnen beendeten die Massnahme. Aufgrund der flexiblen Struktur der beruflichen Qualifizierung war es möglich, frei werdende Plätze wieder mit neuen TeilnehmerInnen zu besetzten.

Sechs TeilnehmerInnen führten die Massnahme nicht zu Ende. Davon konnte ein Teilnehmer vorzeitig in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Eine Teilnehmerin ist aus persönlichen und familiären Gründen schon frühzeitig aus der Massnahme ausgeschieden. Vier der sechs Teilnehmer mussten aus gesundheitlichen Gründen und/oder aufgrund von Drogengebrauch und den daraus resultierenden Problemen die Maßnahme vorzeitig abbrechen. Ein ehemaliger Teilnehmer ist verstorben.

In der Gruppe trafen sich unterschiedliche Menschen mit verschiedensten Lebenskonzepten sowie Bildungs- und Erwerbsbiographien. Ein Teilnehmer beschrieb die Gruppe einmal als "Haufen extremer Individualisten". MigrantInnen, ehemalige DrogengebraucherInnen, Substituierte, homo- und heterosexuelle Männer und Frauen sowie alleinerziehende Mütter gehörten dazu.

Einige der TeilnehmerInnen waren im Verlauf ihrer HIV-Infektion schon fortgeschritten, so dass sich Krankheitsbilder der AIDS-Symptomatik entwickelt hatten. Einige fühlten sich gesundheitlich stabil, andere hatten mit starken Nebenwirkungen der Medikamententherapie zu kämpfen. Viele sehen sich durch unsichere Zukunftsperspektiven belastet.

Zertifikate und Abschlüsse:

Erfolgreiche Prüfungen
Büroorganisation und Bürotechnik 10 Teilnehmer/innen
EDV (Textverarbeitung I) 9 Teilnehmer/innen
Tastaturschreiben (80 Anschläge) 10 Teilnehmer/innen
Recht und Finanzen 8 Teilnehmer/innen
Buchführung 7 Teilnehmer/innen
EDV (Excel) 9 Teilnehmer/innen
Kommunikation im Betrieb 2 Teilnehmer/innen
   
Beruflicher Abschluss: Bürofachkraft 7 Teilnehmer/innen
EDV (Textverarbeitung II) 7 Teilnehmer/innen
Briefgestaltung und
Tastaturschreiben (180 Anschläge)
5 Teilnehmer/innen
   
Beruflicher Abschluss: Fachkraft für Textverarbeitung 5 Teilnehmer/innen
Zusatzqualifikation: Internet-Pass 5 Teilnehmer/innen
Zusatzqualifikation: Englisch 5 Teilnehmer/innen

Erfahrungen der TeilnehmerInnen:

"Es hat mir schon geholfen, dass ich eine Zeit lang kontinuierlich etwas gemacht habe und versucht habe, den Drogen keinen Platz mehr einzuräumen. Dann war es auch so, dass ich aus dem Metadon-Programm herausgegangen bin. ....Es ist auch so, dass ich immer Phasen habe, wo ich die Tendenz habe rückfällig zu werden. Und das es da auch sinnvoll ist, wenn ich irgendeine Beschäftigung habe, wo ich abgelenkt bin und wo es mir dann einfacher fällt, mit den anderen Leuten etwas zu machen."

"Wichtig im Projekt war für mich auch der Kontakt zu anderen Leuten, die auch betroffen sind, wieder herzustellen und um mich informieren zu können, wie die anderen mit der Krankheit umgehen. Wichtig war auch, einen festen Tagesablauf zu haben. Nicht nur alleine zu Hause zu sein".

"Es war für mich wichtig, irgendwo hingehen zu können, wo ich mich mit meiner Krankheit zu Hause fühlte, wo ich nicht alleine war. Das war für mich unheimlich wichtig".

"Ich habe die psychosoziale Begleitung auch in Anspruch genommen und fand das auch sehr angenehm zu wissen, wenn ich irgend etwas habe, gibt es jemanden , der mir zuhört und versucht eine Lösung zu finden. Man muß eine Grundlage schaffen, um überhaupt lernen zu können. Wenn man lauter persönliche Probleme hat, kann man sich nicht hinsetzen und Englisch lernen. Insofern ist das notwendig gewesen. Auch für mich. Ich fand das gut. Ich denke, dass manche nicht hätten an dem Projekt teilnehmen können, wenn das nicht gewesen wäre".

"Das ist für mich überhaupt die einzige Form der Erwachsenenweiterbildung. Ich kenne auch einige Frauen die eine Umschulung gemacht haben und die gesagt haben, bei uns ist das alles ganz anders. Ich fand das Klasse. Das war eben gut....Das eigene Mitspracherecht, das man flexibel darauf reagiert, auf die Stundenpläne, dass man versucht bei jedem anzusetzen und jeden mitzunehmen".

"Wenn jetzt im Bewerbungsgespräch jemand fragt, ob ich eine Behinderung habe, dann werde ich das wohl angeben, werde das aber nicht sagen, was ich genau habe. Ich denke, dass das nicht notwendig ist".

"Eine gewisse Form von Streß braucht man auch. Man kann sich ja nicht einfach hinlegen. Also, wenn ich natürlich so richtig krank werde, dann geht es einfach nicht mehr. Aber ich finde schon wichtig etwas zu tun zu haben und sich nicht nur um seine Krankheit zu kümmern. Mir tut das jedenfalls gut".

"Ich würde gerne in Teilzeit gehen, aber ich bin auf Vollzeitsuche. Das ist mir sonst zu wenig Geld. Sonst würde ich noch einen Nebenjob annehmen. Aber das möchte ich eigentlich auch nicht. Am besten wäre ein 30- Stundenstelle. Aber die sind ja rar gesät".

Fahktoren, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben:

Das Lernberatungskonzept der VHS-Agentur bot zum Beispiel die notwendige Flexibilität, Krankheitsphasen auszugleichen. Darüber hinaus förderten der modulare Aufbau sowie die Selbstlernphasen das eigenverantwortliche Lernen.

Die psychosoziale Beratung durch die AIDS-Hilfe stabilisierte und motivierte die TeilnehmerInnen in Konflikt- und Krisensituationen. Ausserdem stärkten die regelmässigen Gruppenangebote die sozialen und kommunikativen Kompetenzen.

Transnationale Kooperation:

In der Kooperation mit AIDES Auvergne und LILA Milano bot sich die Möglichkeit, europäische Zusammenarbeit hautnah zu erleben und aktiv zu gestalten. Sowohl die MitarbeiterInnen als auch die TeilnehmerInnen haben dadurch eine Fülle anregender Ideen und neuer Arbeitsformen kennengelernt.

Die gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse sind sicherlich nicht nur für die Qualifizierung von Menschen mit HIV und AIDS von Bedeutung, sondern auch für andere Zielgruppen mit gesundheitlichen Einschränkungen und sozialer Stigmatisierung von Interesse.

Die Ergebnisse des Projektes sind ausführlich in einer Broschüre dokumentiert, welche bei der AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. erhältlich ist. Ansprechpartner für weitere Informationen:
Peter Struck

 
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